4 Fragen an… Ingrid Schrader

Die Hofer Symphoniker feiern diese Spielzeit ihr 70. Jubiläum und blicken auf eine erfolgreiche Entwicklung zurück. Doch sie sind nicht einfach nur ein Orchester, spätestens seit Gründung der gleichnamigen gGmbH im Jahr 2007 agiert das Ensemble als eigenverantwortliches Unternehmen in der Kultur- und Bildungswirtschaft. Der Weg dahin hatte sich jedoch schon lange vorher abgezeichnet, am deutlichsten 1978, als die nach wie vor einzige Musikschule in Deutschland gegründet wurde, die von einem Orchester betrieben wird. Intendantin und Geschäftsführerin der Hofer Symphoniker mit über 120 Mitarbeitern ist seit 2009 Ingrid Schrader, die für das Ensemble schon seit über 25 Jahren tätig ist.


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Lässt sich mit Kunst und Kultur richtig gutes Geld verdienen – oder geht es nur um Kostendeckung?
So pauschal kann ich diese Frage nicht beantworten. Nehmen wir das Symphonieorchester mit 62 professionellen Musikern und auch die orchestereigene Musikschule als Beispiel. Hier arbeiten Menschen  für Menschen – direkt und unmittelbar. Und das begründet natürlich einen extrem hohen Anteil an Personalkosten. Im Bereich des Symphonieorchesters liegen wir hier bei 93% unseres Gesamtetats. Das lässt sich nicht mit den Einnahmen aus Kartenverkäufen decken und wir sind auf Zuschüsse der öffentlichen Hand angewiesen. Zusätzlich gehört auch das Einwerbung von Spenden und Sponsorengeldern zu meinen Aufgaben.


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Es heißt oft, wirtschaftliches Denken schade der Kreativität und störe die freie künstlerische Entfaltung, gerade bei Musikern. Wie begegnen Sie dem?
Mein Ziel als Intendantin und Geschäftsführerin ist es, beides gekonnt miteinander zu verbinden. Oftmals entstehen gerade aus gewissen Zwängen heraus neue, innovative Ideen oder auch inhaltlich und künstlerisch spannende Konzertprojekte.


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Warum sind Sie seit nunmehr fast 40 Jahren immer noch das einzige Orchester in Deutschland, das seine eigene Musikschule betreibt? Ist das Modell zu speziell?
Unser Hofer Modell ist durchdacht und tragfähig – die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit zeigt das. Immerhin unterrichten unsere Orchestermusiker und weitere diplomierte Dozenten rund 1.200 Schüler/innen, wir sind intergenerativ mit Menschen jeder Altersgruppe in Kontakt, haben künstlerisch-soziale Projekte und sechs höchst erfolgreiche große Schulkooperationen mit ca. 500 Schülern/innen. Nachahmer hätte es auch schon  genügend gegeben – wir waren hier schon oft beratend tätig. Das  größte Hindernis für Interessenten sind wohl die arbeitsrechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen in der heutigen Zeit. Außerdem darf man nicht vergessen, dass immer auch ein politischer Wille der jeweiligen Heimatkommune vorhanden sein muss, um eine derartige musische Bildungseinrichtung aufzubauen. Das ist hier in Hof und der Region über alle Parteigrenzen hinaus immer der Fall gewesen und dafür sind wir auch sehr dankbar.

ZUR PERSON:
INGRID SCHRADER

geboren 1960 in Zell am Waldstein

1989–2000 tätig in der Intendanz der Hofer Symphoniker, persönliche Referentin des Intendanten Wilfried Anton

2002–2008 Orchesterdirektorin der Hofer Symphoniker

2008–2011 Vorstandsmitglied »Festival junger Künstler Bayreuth«

seit 2008 Mitglied des Stadtrats von Hof

seit 2009 Intendantin und Geschäftsführerin der Hofer Symphoniker


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Sind denn, nicht zuletzt vor dem Hintergrund diverser Streichkonzerte in den Etats der Kommunen und Länder, Orchester ohne kommerziellen Hintergrund noch überlebensfähig? Oder anders gefragt: Welche Strategien haben Zukunft?
Hier richten wir unsere tägliche Arbeit darauf aus, unser künstlerisches und pädagogisches Angebot in höchstmöglicher Qualität darzustellen, so wie bereits in den letzten Jahrzehnten. Die Vergangenheit hat gezeigt – Qualität setzt sich durch und hat Zukunft. Zusätzlich haben die Verdeutlichung unserer gesellschaftlichen Relevanz und die intensive Vernetzung der Hofer Symphoniker mit den verschiedensten Ebenen unserer Gesellschaft bei unserem Wirken einen hohen Stellenwert. Politische Kontaktpflege, Nähe zur Wirtschaft aber auch der ständige Dialog mit unserem Publikum und den Musikschulkunden sind elementare Bestandteile unserer Kommunikation.

INTERVIEW: MARKUS SCHNEIDER
FOTOS: HOFER SYMPHONIKER