4 Fragen an… Manfred Schmidt

Der international renommierte Opern- und Konzertsänger, Kammersänger Prof. Thomas Thomaschke, hat Mitte Februar den Staffelstab als Künstlerischer Leiter des Festivals Mitte Europa – Bayern · Böhmen · Sachsen an den 40-jährigen deutschen Konzertpianisten Manfred Schmidt übergeben. Dessen Berufung erfolgte durch den Vorstand des Festivalträgervereins »Mißlareuth 1990. Mitte Europa« e. V. auf Grundlage der Empfehlung einer von Fachexperten zusammengesetzten deutsch-tschechischen Findungskommission. Die künstlerische Planung des Gesamtprogramms für den 24. Festivaljahrgang 2015 liegt allerdings noch in den Händen der scheidenden Festivalleitung.


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Herr Schmidt, das Festival Mitte Europa ist Ihnen nicht unbekannt. Wann und aus welchen Beweggründen haben Sie erstmals daran gedacht, seine künstlerische Leitung zu übernehmen?
Als Prof. Thomaschke mir vor einigen Jahren nach einem Konzert erzählte, dass er perspektivisch daran denke, die Leitung des Festival Mitte Europa in andere Hände zu geben, sprach mich das intuitiv an. In meinem Wirken als Initiator und künstlerischer Leiter einer Konzertreihe in Berlin kristallisierten sich meine Gestaltungsideen und Ideale heraus, so dass mit der Ausschreibung der Stelle klar war: Das möchte ich tun, denn ich nehme meinen Beruf als Berufung wahr.


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Die vor Ihnen liegenden Aufgaben sind sehr vielfältig. Welche reizt Sie von allen am meisten?
Die Arbeit mit und für Menschen.


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Sie treten das Erbe des Lebenswerks des Ehepaars Thomaschke an. Was wiegt daran am schwersten?
Ich habe große Achtung vor dem Erreichten der Beiden und bin beeindruckt, wie es ihnen durch das Festival über Jahrzehnte gelungen ist, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne Grenzen zu überwinden.


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Noch ist es gewiss zu früh, von konkreten gestalterischen Plänen zu sprechen, aber vielleicht tragen Sie ja schon so eine Art Vision in sich? Und wenn ja, wie sieht diese aus?
Ja, diese Vision trage ich tatsächlich in mir, lassen Sie sich vom 25. Festivaljahrgang 2016 überraschen, der meine Handschrift tragen wird. Dabei möchte ich Konzertformate schaffen, in denen sich Künstler und Publikum noch nahbarer als Menschen wahrnehmen. Darüber hinaus schwebt mir ein jährlich stattfindendes Beteiligungsprojekt vor, in dem es zu einem künstlerischen deutsch-tschechischen Jugendaustausch kommt.

ZUR PERSON:
MANFRED SCHMIDT

Der international tätige Konzertpianist und Kammermusikpartner Manfred Schmidt (40) studierte an den Musikhochschulen in Hannover und Lübeck sowie an der Universität von Montréal. Er war Stipendiat des evangelischen Studienwerkes Villigst, des Richard-Wagner-Verbandes Berlin und des Deutschen Musikwettbewerbes. Beim 8. Internationalen Calabria-Klavierwettbewerb in Italien wurde er mit dem »Diploma d’onore« ausgezeichnet. Die Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft und er ist Mitglied der »Europa Gesellschaft«, einer internationalen Plattform zur Förderung junger Künstler. Seit 2005 wirkt Manfred Schmidt zudem als Dozent an der Universität der Künste Berlin. Dem Publikum des Festivals Mitte Europa ist Manfred Schmidt kein Unbekannter. Er wirkte regelmäßig als Pianist, zuletzt etwa 2014 in Auerbach oder alljährlich bei der traditionellen Internationalen Gesangsmeisterklasse, die jeweils ihren beliebten Abschluss beim Sommerkonzert in der Mißlareuther Scheune (Vogtland) findet.

INTERVIEW & TEXT: MARKUS SCHNEIDER
FOTO: FESTIVAL MITTE EUROPA