4 Fragen an… Nils Mönkemeyer

Bereits zum 4. Mal ist Nils Mönkemeyer als »Artist in Residence« beim Festival Mitte Europa gesetzt. »Es erfüllt mich mit großem Stolz«, erklärt der gebürtige Bremer und international renommierte Musiker, der schon lange in Verbindung zu dem Ehepaar Thomaschke-Vondráková steht. Die Initiatoren des Festivals hatten den begabten jungen Mann immer wieder eingeladen, auch schon zu einer Zeit, als er noch längst nicht so viele Konzerte geben durfte, wie es heute der Fall ist.


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In Ihrem Grußwort sagen Sie, das Festival Mitte Europa stünde in der Festival-Landschaft einzigartig dar. Warum?
Als erstes ist da der Völker verbindende und Grenzen überspannende Aspekt zu nennen. Das ist ein Gedanke, der mit Musik an sich zu tun hat. Und dann steht dahinter eine sehr mutige Programmpolitik, nämlich auch unbekanntere Namen und Stücke einzubinden. Das trauen sich viele Festivals nicht.


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Was reizt Sie persönlich am meisten daran, mitzuwirken?
Es ist aus künstlerischer Sicht äußerst interessant, weil ich im Rahmen dieses Festivals Stücke verwirklichen kann, wie sonst nicht. Als Beispiel sei mein Solo-Rezital in Pirna genannt, wo ich am 16. Juli in der ehemaligen Produktionshalle einer denkmalgeschützten Möbel- und Fensterfabrik auftreten werde. Dort inmitten stillgelegter Holzverarbeitungsmaschinen drei Bach-Suiten, die Sarabande von Penderecki und Gourzis »Nine Lullabies for a New World« zu geben, verspricht eine wirklich spannende Konzertatmosphäre! Sehr viel Spaß hat mir auch das Konzert gemacht, das wir einst in einer toll ausgeleuchteten Halbruine in Cheb auf Sandboden geben durften. Und ich freue mich auf Karlovy Vary, den ältesten Kurort Europas mit seinem alten Charme und nostalgischen Flair!


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Dort spielen Sie mit einem Ensemble von Freunden. Wie eng ist diese Freundschaft?
Das Schöne ist ja, dass wir als Freunde zusammen sind, während wir unseren Beruf ausüben. Wir kennen uns jetzt seit etwa vier, fünf Jahren und spielen seit drei Jahren in dieser Formation. Es sind allesamt brillante Spezialisten der alten Musik, welche durch den Basso continuo geprägt ist; das heißt, die Ausführung der Mittelstimmen geschieht improvisatorisch. Das gibt der Interpretation immer viel Frische. Es ist dem modernen Jazz nicht unähnlich, der ja auch immer nur durch den Moment besticht. Das reizt mich als Interpreten natürlich ungemein.

ZUR PERSON:
NILS MÖNKEMEYER

geboren 1978 in Bremen

musikalische Ausbildung an der Hochschule für Künste Bremen (Violine)

1997 Wechsel zur Bratsche und an die Musikhochschule Hannover

2000 Hochschule für Musik in München (bei Hariolf Schlichting)

2003 Diplom »mit Auszeichnung«

2006 Konzertexamen »mit Auszeichnung«

2009 Professor für Bratsche an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

2011 Ruf an die Hochschule für Musik und Theater München

zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, u.a. Preis des Deutschen Musikwettbewerbs (2006), 1. Preis beim internationalen Yuri Bashmet Wettbewerb (2006), ECHO Klassik »Nachwuchskünstler des Jahres« (2009), ECHO Klassik »Konzerteinspielung des Jahres« (2010)

als Exklusiv-Künstler unter Vertrag bei Sony Classical

fünf CDs seit 2009

Instrument: Bratsche aus der Werkstatt des Münchner Geigenbauers Peter Erben


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2014 ist das Jahr der Bratsche. Sie selbst haben, so heißt es, diesem Instrument zu enormer Aufmerksamkeit verholfen. Warum war das nicht schon immer so?
Nein, nein, auf keinen Fall. Es ist einfach ein allgemeiner Aufschwung von Bratschisten und dem Einsatz der Viola als Soloinstrument zu beobachten. Wenn ich meinen Teil dazu beigetragen habe, freut mich das natürlich, aber ganz gewiss kommt mir dabei keine Alleinstellung zu. Es gibt ein Musiklehrwerk aus der Zeit von Bach, es datiert um 1730 etwa, in dem sinngemäß die Verwendung der Bratsche empfohlen wurde, wenn nicht so viel Zeit zum Üben mit der Violine sei. Es hat halt ein bisschen gedauert, aber jetzt ist die Zeit der Viola gekommen. Wobei es für mich ein Instrument wie jedes andere ist, ich könnte nicht sagen, dass es mich in besonderer Weise faszinierte. Es ist nur so, dass die Bratsche für mich als Spieler eben genau meinem »inneren Sprachrohr« entspricht. Deswegen ist sie auch »mein« Instrument.

INTERVIEW & TEXT: MARKUS SCHNEIDER
FOTOS: IRÈNE ZANDEL