Freiheitshalle, Hof: Eine wie keine

VENUES IM VIERLAND

Es gibt prinzipiell zwei Wege, ein Venue, also einen (festen) Austragungsort für Veranstaltungen aufzubauen: Man plant den großen Wurf von langer Hand oder man entwickelt sich eher zufällig dahin. Beides hat so seinen Reiz, beides auch sein Risiko. Manchmal liegt die Wahrheit der Geschichte auch irgendwo dazwischen. Und immer ist es spannend. Wieso funktioniert eine große Halle und eine andere nicht? Wie hält man ein solches Lokal am Laufen? Diese und andere Fragen wollen wir in unserer neuen Serie beantworten, die die wichtigsten und beachtenswertesten Venues im Vierland vorstellt.

Ganz oben in Bayern, in Hochfranken, da steht ein Leuchtturm. Nicht hoch, eher breit von der Statur, dennoch kaum zu übersehen. Schon gar nicht, wenn man nach den Dickschiffen der Veranstaltungsbranche Ausschau halten will: Mit der Präsenz und Strahlkraft eines etablierten Bühnenstars schiebt sich die Hofer Freiheitshalle in den Blick des Besuchers. Von eigenwilliger, kühn anmutender Architektur und fast schon futuristischer Illumination, ist das Haus jung und alt zugleich, unbestritten das größte seiner Art im ganzen Vierland und mindestens von nationalem Ruf. So gesehen ist sie eine Halle wie keine andere.

Größe hatte der Komplex schon immer. Rund 7.500 Personen sollen in das ursprüngliche Gebäude gepasst haben, das den Machtverhältnissen seiner Bauzeit entsprechend zunächst als Adolf-Hitler-Halle firmierte und seinen heutigen Namen erst zehn Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt. Der Aufstieg in den Olymp bundesdeutscher Veranstaltungsstätten sollte jedoch erst mit dem Neubau zu Beginn der 1970er Jahre gelingen, als dessen eigentlicher Zweck – nämlich Sporthalle für regionale Großereignisse und steinernes »Festzelt« der Hofer zu sein – gleich in den ersten Betriebsjahren gravierend umgewidmet wurde: als »multifunktionale Mehrzweckhalle« konnte die junge Arena ihre Stärken erst richtig ausspielen. Und wie sie spielte: Eisfläche, Sportfeld, Zirkusmanege, Konzertbühne, Messesaal, Kongresszentrum, Fernsehstudio! Bürger und Prominenz gaben sich munter die Klinke in die Hand, Thomas Gottschalk fragte: »Wetten, dass …?« – und Harald Schmidt: »Verstehen Sie Spaß?« Und insbesondere die Stars und Sternchen der Schlagerwelt fühlten sich dort pudelwohl.

An diesem breiten Spektrum von Akrobatik über Comedy und Sinfonie bis hin zu Tagung und Zelt-Fest hat sich im Wesentlichen nichts geändert. »Die neue Freiheitshalle wurde mit dem Wissen der Anforderungen gebaut. Wir wussten, was in der alten gut war und wo es noch gefehlt hat.« Peter Nürmberger, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hof, ist der Überzeugung, dass es vor allem diesem Umstand zu verdanken ist, dass die Freiheitshalle bis heute erfolgreich mit den verschiedensten Veranstaltungen belegt ist. Selbst die großen TV-Produktionen, wie etwa kürzlich mit Carmen Nebel, kommen weiterhin gern nach Hof. Das tun sie keineswegs aus Sentimentalität, obgleich das Haus noch immer von seinem Ruf zehrt, den es sich vor drei, vier Jahrzehnten in der Branche erarbeiten konnte. Freilich, die Konkurrenzsituation war damals eine völlig andere, die nächste vergleichbare Halle stand erst knapp 300 Straßenkilometer weiter im entfernten München. Doch hatte ganz offensichtlich auch damals schon in Hof einfach »alles gepasst« – und das tut es nach wie vor. In erster Linie hinsichtlich der technischen und räumlichen Bedingungen, aber eben auch angesichts der Tatsache, dass »die Techniker auch nachts um zwei noch ein offenes Ohr für Probleme haben.«

Derweil spiegelt sich die Vergangenheit auch im Publikum wider. »Bezogen auf die Zuschauer aus Sachsen und Thüringen war die Halle vor allem für die ältere Generation durch Auftritte wie von Peter Alexander immer ein Begriff« , erklärt Nürmberger. Bei den Jüngeren fehle diese Verbindung – und so finden nach wie vor eher die älteren Sachsen und Thüringer den Weg in die Freiheitshalle. Während sich das Einzugsgebiet im Kern rund 80 Kilometer um Hof erstreckt, zieht es gern auch Menschen von weiter weg in die Freiheitshalle. Wenn beispielsweise bekannte Künstler aus dem Schlagerbereich zum Tourneestart bitten, etwa Helene Fischer und Florian Silbereisen.

Indes muss sich die Halle trotz dieser breitgefächerten Auslastung nicht komplett von selbst tragen. Eine Million Euro lässt sich die Stadt Hof ihren Leuchtturm kosten, der dafür auch zu einem guten Teil und eher mittelbar nach innen wirkt. »Die Hälfte der Veranstaltungen dringen gar nicht nach außen« , sagt Nürmberger, denn die Halle ist mit ihren vielseitigen Möglichkeiten, die sich vom Großen Haus über den Festsaal bis hin zum Tagungsbereich erstrecken, vor allem eben für Tagungen und Kongresse von Firmen interessant. Und in diesem Sinne leistet das Haus seinen Beitrag zum Tourismus: »Wir konnten die Belegungszahlen der Hofer Übernachtungsbetriebe um 25.000 auf 150.000 steigern« , rechnet Nürmberger vor. Und spricht deshalb auch lieber von Belegungs- und nicht von Veranstaltungstagen, wenn es um die Auslastung der Freiheitshalle geht. Etwa 500 im Jahr sind das nämlich – der häufig parallelen Nutzung der verschiedenen Räumlichkeiten wegen. Und welche Veranstaltungen mag der Chef selbst am liebsten in seinem gewaltigen Haus? »Solche, die die Halle richtig fordern – wie etwa Holiday on Ice.«

Peter Nürmberger, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hof

»Durch unseren guten Ruf unter den Veranstaltern bekommen wir immer wieder Events ins Haus, für die wir eigentlich zu klein sind.«

TEXT: CHRISTIANE FISCHER
FOTOS: FELIX NÜRMBERGER, ARCHIV STADT HOF, REINHARD FELDRAPP, CHRISTIANE FISCHER
AUS

#0009 / 2016