»Topaswelt«, Muldenhammer: Felsen, Grube und Museum

Ein neuer Begriff macht die Runde, im Vogtland ist von einer »Topaswelt« die Rede. Rund um den berühmten Schneckenstein wird damit der Versuch unternommen, das Dreigestirn aus Felsen, Besucherbergwerk Grube Tannenberg und dem Vogtländisch-Böhmischen Mineralienzentrum gemeinsam besser zu vermarkten. Tatsächlich funktioniert diese Einheit bereits seit rund zehn Jahren und lockt zahlreiche Besucher aus Nah und Fern ins Waldgebiet der 2009 geschaffenen Gemeinde Muldenhammer. Doch fehlte bislang so etwas wie der gemeinsame Nenner, zumal die drei Pfeiler jeweils verschiedenen Eigentümern zugeordnet sind. Die Vogtland Kultur GmbH indes ist mit der Aufgabe betreut, die Aktivitäten um Felsen, Grube und Museum zu bündeln – und das soll mit dem Namen »Topaswelt« künftig noch besser gelingen. Das ehrgeizige Projekt zielt natürlich zuvorderst auf den Tourismus, aber<br /> damit einhergehen möge auch wieder eine bessere Wahrnehmung und Bewusstwerdung in der Öffentlichkeit. Denn die große Geschichte der Topase aus dem Vogtland ist seit den 1930er Jahren zunehmend in Vergessenheit geraten.

Der Schneckenstein

Als 1727 der Auerbacher Kürschner Christian Kraut die Topase am markanten Felsen entdeckte, ging ein Raunen durch die mineralogische und geologische Welt. Der etwa 23 Meter hohe Quarz-Topas-Brekzienbrocken hatte viel Außergewöhnliches zu bieten. Sein geologisch eigentümlicher Bau interessierte schon seit dem 17./18. Jahrhundert zahlreiche Experten vom Fach und lockte zunächst vor allem wegen seiner Topaskristalle, war es doch der einzige Felsen mit deren Vorkommen in ganz Europa. Schon kurz nach dem spektakulären Fund begann die damalige Zeche »Königskrone« mit dem Abbau der seltenen und begehrten Edelsteine für den kurfürstlichen Hof – rund zwei Drittel des Felsens wurden dadurch bis etwa 1800 abgetragen. Noch heute ist im Grünen Gewölbe zu Dresden eine Topasgarnitur aus dem Kronschatz der Wettiner zu sehen, und auch in die Königskronen Englands und Schwedens sollen die »sächsischen Diamanten« eingearbeitet worden sein. Doch nicht nur die adligen Herrscher, allen voran August der Starke, waren ganz versessen auf die weingelben Schmucksteine, auch unzählige Hobby-Mineralsammler pilgerten über die Jahrhunderte bis heute zum längst ausgezehrten Felsen. Die oft unsachgemäßen Plünderungen richteten trotz zwischenzeitlicher Schutzbemühungen großen Schaden an, sonderlich ertragreich waren sie indes nicht. So ist es inzwischen völlig aussichtslos und außerdem verboten, am Felsen selbst nach Topas zu suchen – eher wird man noch in herumliegenden Gesteinsbrocken fündig, obgleich auch dies wenig lohnt und ohnehin nicht gern gesehen ist. Tatsächlich wurden die Kristalle mit Schmucksteinqualität nur aus der Tiefe gefördert.

Den Topas als ein Markenzeichen des Vogtlands wiederzubeleben, war auch das Ansinnen einer engagierten Expedition im Jahr 2008. Damals waren fünf Sportfreunde aus dem Vogtland nach London geradelt, um der Queen fünf der letzten abgebauten Rohtopase vom Schneckenstein zu übergeben. Besonders wertvoll war die Fracht nicht, nur einer der Steine bereits geschliffen. Ihre Bearbeitung gilt als kompliziert – eine schöne Aufgabe für den Hofjuwelier. Doch immerhin lief die Aktion durch die Medien. Und wenngleich sich das britische Königshaus bislang noch nicht selbst zu einem Staatsbesuch auf dem Schneckenstein durchringen konnte – das »gemeine Volk« weiß ihn als geheimnisvollen Aussichtspunkt, knapp 900 Meter über dem Meeresspiegel und am Tor zum Westerzgebirge, sehr wohl zu schätzen.

Die Grube Tannenberg

Schon seit je üben Bergwerke einen großen Reiz aus. Die harte und oft gefährliche Arbeit untertage, die im Fels eingeschlossenen Reichtümer und nicht zuletzt das Bergmannswesen selbst prägten die Region über die Jahrhunderte massiv. Auch die Grube Tannenberg ist solch ein beredtes Zeugnis der langen, traditionsschweren Geschichte. Schon um das 15. Jahrhundert nahm der Zinnbergbau im Raum Mühlleithen/Tannenbergsthal seinen Aufschwung, zunächst als Pinge. Bald darauf wurde der Falkensteiner Kommunstollen per Hand in den Berg getrieben, später kam zunehmend bessere Technik zum Einsatz. Während zum Kriegsende der Abbau sogenannter Greisenkörper zum Erliegen kam – ein gewaltiger Hohlraum mit See erzählt heute noch davon – bescherte die sowjetische Wismut AG dem Schneckensteingebiet in den 50er Jahren einen regelrechten Boom: Aus 5 von 6 Schächten wurde Uran geholt, rund 6.000 Menschen waren damit beschäftigt. 1964 wurde das Bergwerk nach seiner Auserzung und erfolglosen Erkundungen endgültig geschlossen. Heute werden den Besuchern mittels etwa einstündiger Führungen reiche Kenntnisse aus Geologie, Mineralogie und Industrie des oberen Vogtlands vermittelt. Technische Zeitzeugen vermitteln anschaulich die unterschiedlichen Abbaumethoden der vergangenen Jahrhunderte und es können geologische Besonderheiten der sogenannten Kontaktzone zwischen Granit und Schiefer bewundert werden. Das Angebot reicht von Betriebsfeiern über Berghochzeiten und Kindergeburtstage mit Schatzsuche bis hin zu den in der Weihnachtszeit regelmäßig ausgebuchten Mettenschichten.

Mettenschicht im Tannenberg

Sie ist ein alter Brauch aus dem Mittelalter, die letzte Schicht des Bergmanns vor Weihnachten. Etwa 30 Mettenschichten werden jährlich in der Grube Tannenberg ausgerichtet, bestehend aus einem kurzen Gottesdienst, einer einfachen Mahlzeit und einer Führung in Gruppen von bis zu 25 Personen. »Dabei geht es auch um die Vermittlung von Werten – auf Augenhöhe«, betont »Topaswelt«-Leiter Steffen Gerisch. Getreu dem alten bergmännischen Grundsatz, dass untertage ein jeder gleich sei. Die Tradition wird in der Zunft hochgehalten: Immer am zweiten Adventswochenende treffen sich ehemalige und noch aktive Bergleute aus dem Vogtland, dem Zwickauer und Ronneburger Raum im Tannenberg zur Mettenschicht – bis zu 200 Personen. Auch bei Besuchern aus Nah und Fern sind diese besonderen Veranstaltungen sehr beliebt und entsprechend langfristig in der Planung. »Keine Chance auf freie Termine mehr für dieses Jahr«, bedauert Gerisch. Bis ins Jahr 2016 reichen die Buchungen bereits.

Das Vogtländisch-Böhmische Mineralienzentrum

Nicht nur, dass es etliche Schmuckstücke beherbergt – es ist selbst eines. Das Vogtländisch-Böhmische Mineralienzentrum Schneckenstein ist quasi der 40.000 m² große Eingang zur »Topaswelt«. Mit viel Liebe und noch mehr Sachkenntnis wurde dort eine umfangreiche Mineralien- und Bergbauausstellung geschaffen, die durch eine besonders reiche und vielfältige Sammlung erstaunlicher heimischer Exponate besticht, sorgsam komplettiert durch verschiedene Schaustücke aus aller Welt. Weltweit einmalig ist gar das eindrucksvolle Topaszimmer. Daran angeschlossen sind ein Naturkundemuseum mit lebenden Tieren, eine Edelsteinschleiferei und eine verführerisch duftende Kräuterküche; im großen Außengeländen locken Irrgarten, Kräutergarten und Tiergehege ganze Familien und Besuchergruppen zu einem hochinteressanten wie abwechslungsreichen Ausflug.

TEXT: MARKUS SCHNEIDER
FOTOS: MARKUS SCHNEIDER, VOGTLAND KULTUR GMBH