Lidia Schwinger X René Eckert

Die Kunst, oder besser: ein Künstler hat eine ganz eigene Sicht. Oscar Wilde hat es so treffend wie streitbar formuliert: »In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter, nicht das Leben.« Sie ist, in jeglicher Hinsicht, zutiefst eigensinnig. Genau darum geht es im 4/4-Projekt »InterpretARTion«. Die Fotografien für die Titelgeschichte jeder Ausgabe unseres neuen Kulturmagazins legen wir einem regional ansässigen Künstler zur freien Interpretation vor. Dabei interessieren uns die künstlerische Interpretation sowie der interpretierende Künstler, die Person und ihre ganz eigene Sicht.

Mit Beginn der neuen Spielzeit hat das Theater in Plauen eine neue Malsaal-Chefin: Lidia Schwinger (31). Sie ist kein Neuzugang, sondern schon seit dem Ende ihres Studiums mit der malerischen Kulissengestaltung in dem Haus beschäftigt. Im Rahmen dieser Arbeit enstand 2012 auch ihre erste eigene Ausstellung – Portraits von Menschen, die ebenfalls hinter den Kulissen arbeiten und eher selten im Rampenlicht stehen. Deren vermeintliche Schlichtheit, die Natürlichkeit und Authentizität des spontanen, uninszenierten Augenblicks haben sie dabei am meisten interessiert und im Ergebnis die eigentliche Größe offenbart. Dabei zeichnet und malt sie nicht fotorealistisch, aber doch nahe dran. Und hat für unsere aktuelle Ausgabe ein Foto von Martin Stepanek, das den Filmemacher René Eckert zeigt, in eine Bleistiftzeichnung auf grundierter Hartpappe übersetzt.

ZUR PERSON:
LIDIA SCHWINGER

geboren 1983 in Zwickau

2003 Studium Textildesign in Schneeberg (2 Semester)

2004 Studium Theatermalerei in Dresden

2008 Praktikum in den zentralen Theaterwerkstätten Leipzig

seit Spielzeit 2008/2009 im Malsaal Theater Plauen

2012 Ausstellung »Portraits«, Galerie Forum K in Plauen

2014 Teilausstellung »Fliegender Wechsel« (Studienarbeiten), Malzhaus Plauen

TEXT: MARKUS SCHNEIDER
FOTOS: MARKUS SCHNEIDER, MARTIN STEPANEK
GRAFIK: LIDIA SCHWINGER