Meinel-Bräu, Hof: Brau-Schwestern auf Erfolgskurs

Monika (25) und Gisela (27) Meinel-Hansen sind jung. Ungewöhnlich jung dafür, dass sie schon seit einiger Zeit die Geschicke des Hofer Familienunternehmens Meinel-Bräu maßgeblich mitbestimmen. Mit ihren innovativen und kreativen Bier-Ideen treffen sie genau den Geschmacksnerv der Zeit – und den ihres oberfränkischen Publikums, das, wie man weiß, in dieser Angelegenheit wenig Spaß versteht. Ein schlankes Fläschchen mit knallpinkem Etikett sollte da eher Stirnrunzeln hervorrufen, und dieser Name – »Holla die Bierfee« – so kann man doch kein Bier nennen?! Man kann. Beziehungsweise Frau. Denn vor allem die Damen (aber nicht nur die) flippen völlig auf den schick verpackten, frisch-hopfigen Gerstensaft.

Für Moni, die Jüngere, war der Weg von Anfang an klar. Schule, Ausbildung, Meisterbrief. Ihr Meisterstück, ein heller Weizenbock mit 7,2 Volumenprozent Alkohol, hat aus dem Stand auf der BrauBeviale Nürnberg den European Beer Star in Gold und Silber geholt. Die Auszeichnung gilt als wichtigster Preis der Branche, über 1.000 Brauereien aus aller Welt bewerben sich darum. Es gilt das olympische Prinzip, Blindverkostung in den jeweiligen Bierkategorien. Die Goldmedaille der Juroren im Bereich »Weizenbock South German Style« war ein grandioser Start für die dazumal jüngste Braumeisterin Deutschlands, aber fast noch wichtiger ist das Silber-Metall: Das nämlich gab es in der Kategorie »Consumer’s Favorite« – die Blindverkostung der Besucher quer durch alle Sorten. »Am 10. Oktober zum Bockbieranstich gibt’s den wieder. Schmeckt bananig und fruchtig«, erklärt Gisi.

Die ältere der beiden Schwestern brauchte etwas länger zum Nachdenken. »Ich hatte mir nach dem Abitur überlegt, dass es doch eigentlich ganz cool sei, in diese Richtung zu gehen, weil irgendwie jeder Kulturkreis auch durch ein ganz bestimmtes Getränk geprägt ist. Das Studium der Getränketechnologie war dann aber eher weinlastig.« Ihre basalen Aufgaben im Betrieb sind klar: Monika ist mit Technik und Produktion befasst, Gisela obliegen Logistik, Innendienst und Qualitätssicherung. Zur schöpferischen Hochform aber laufen sie auf, wenn sie die Köpfe für die nächste Produktinnovation zusammenstecken. Wobei die Impulse eher ungeplant kommen: »Mal bringen wir eine Idee vom Wochenmarkt mit, mal inspiriert uns was im Urlaub. Wann dich die Muse eben küsst.« Auch die Tradition und Geschichte liefert viele Ansätze. Starkbiere beispielsweise wurden früher immer zu besonderen Anlässen eingebraut, je nachdem, wie die Ernte ausfiel.

Spätestens an dieser Stelle wird bewusst, dass sich da nicht etwa bloß zwei spinnerte Gören im bunten Tanzsaal des Marketings ein wenig die High-Heels vertreten. Die Brau-Schwestern aus dem Hause Meinel-Hansen sind lieber in Sneakern unterwegs. Sie nehmen das, was sie tun, vielleicht ernster als manch männlicher Kollege, blicken möglicherweise weiter über den Tellerrand als andere Erben. Und wenn sie über Innovation und Tradition sprechen, dann klingt das nicht nach den hohlen Worthülsen, die man in jeder zweiten Firmenküche hinterhergeworfen bekommt. Man möchte sie bodenständig nennen, aber von der Art, wie es schon Thomas D. von den Fantastischen Vier beschrieb: »Und dann stehe ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden / und mein Kopf ist in den Sternen.«

1731, da war der heutige Betrieb noch Kommunbrauerei, kam einer durch Hof spaziert, der sich sehr für Gestein interessierte und dieses auch gern zeichnete. Goethe war sein Name. Er hat auch die Felsenformation gemalt, auf und an der die Meinel-Bräu seit je residiert. »Der Keller ist darauf gut zu erkennen«, sagt Gisi. Eine schöne Anekdote zu dem rauchig-zarten Bier namens »Mephisto«, das sie eigens für ein Open Air kreiert hatten. »Das fanden die Leute so gut, dass wir es im Sortiment belassen haben.« Dann kommt Gisi wieder auf den Hopfen zu sprechen, der für die »Bierfee« so wichtig ist. »Das ist ja ein Jahrgangsbier, der Sud fällt immer etwas anders aus. Wir bringen da ganz bewusst immer andere Rohstoffe zusammen, um die Vielfalt zu zeigen. Frauen tragen ja auch nicht jeden Tag das Gleiche.« Seit etwa sechs Jahren etablieren sich auch in Bayern neue Sorten und Züchtungen, obwohl die Grundeinstellung immer noch sehr traditionell ist. Den Meinel-Mädels kann das freilich nicht genügen. Sie sind auch Mitglied im Forschungsinstitut für Hopfen.

Im Hofer Familienunternehmen arbeiten – ein witziger Zufall – 16 Menschen. Genauso viele Biere haben sie auch im Sortiment. Nicht permanent: »Das Jahr wird durch die Biersorten geprägt«, erklärt Gisi das ganz offensichtliche Grundwissen. Los geht’s an Heilige Drei Könige (06.01.) mit Weizenbock und hellem Doppelbock. »Stärke antrinken« heißt der Brauch. Für jeden Monat einen Seidler. Monika ist Bierbotschafterin, Gisela Bier-Sommelier. »Das ist unser Bildungsauftrag.« Sie veranstalten Bier-Tastings und etwas andere Touren durch die Brauerei, immer samstags von 10 bis 12 Uhr. Der Vater unterhält noch eine Brennerei, wo es beispielsweise Bierbrand gibt, der aus dem Märzen-Vollbier gewonnen wird. Das hauseigene Braustübl mit Biergarten haben sie verpachtet, nur dort gibt’s das Meinelsche Zwickel. Dafür betreiben die beiden Schwestern zusammen mit einem Mitarbeiter noch den »Biersalon Trompeter«, wo es, wie sie versichern, die meisten Biere in Oberfranken gibt. »Dort haben wir acht Zapfhähne. Im siebten steckt das Monatsbier und im achten immer ein fremdes Bier von einem Brau-Spezl.

TEXT & FOTOS: MARKUS SCHNEIDER