Duo Stiehler/Lucaciu: Weltenbummler mit Wurzeln

Antonio Lucaciu

Sie sind zu Hause auf den Bühnen des Landes, zu Hause jedoch ebenso in Plauen und Zwickau. Inzwischen weit mehr als ein Geheimtipp, lassen sie ihre Instrumente für sich singen. Ein musikalischer Exportschlager Westsachsens? Wenn sie in die Heimat zurückkehren, steht das Theater Kopf, die Ränge sind ausverkauft – das Duo Stiehler/Lucaciu ist ein musikalisches Ausnahmetalent.

Sascha Stiehler

Starallüren sind ihnen fremd. Trotz mittlerweile beachtlichen Bekanntheitsgrads. Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu sind Ausnahmemusiker, ohne Frage, doch das macht sie nicht unnahbar. Sie könnten die Jungs von nebenan sein. Und von nebenan sind sie tatsächlich: Antonio Lucaciu (27, Saxophon) stammt aus Plauen, Sascha Stiehler (26, Klavier) ist gebürtiger Zwickauer.

Wer ist mit Mitte zwanzig schon in der Lage, mit seiner Musik einen großen Theatersaal zu füllen? Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu schaffen das. Sie sind ausgezogen in die Welt, doch immer wieder kehren sie zurück, um sich inspirieren zu lassen, ihre alten Freunde aufzusuchen. Mittlerweile leben sie in Leipzig, nah am Puls der Zeit. Kein Grund, der alten Heimat den Rücken zuzuwenden. Auf der aktuellen Tour »Duo dreht durch« machen Stiehler und Lucaciu selbstverständlich auch in Zwickau und Plauen Station. »Es ist immer etwas Besonderes, wieder in die Heimat zurückzukommen«, bemerkt Antonio Lucaciu.

Eine Reise zurück an die Orte, wo alles begann? Die Musik wurde Antonio Lucaciu in die Wiege gelegt. Antonios Eltern sind Orchestermusiker am Plauener Theater, und bis heute verbindet ihn eine besondere Leidenschaft mit dem Theaterhaus: »Ich bin ein Theaterkind. Seit ich drei Jahre alt bin, war ich jede Woche dort. Ich bin in dieses Haus reingegangen und da war eine Zauberwelt.« Diese Zauberwelt spiegelt sich bis heute in den Geschichten wider, die das Duo mit seinen Instrumenten erzählt. »Die Sache ist: Wir machen selten Lieder mit Text. Natürlich haben viele Lieder dadurch auch was filmmusikmäßiges. Was wir vertonen, sind Orte. Unsere Geschichten sind sehr persönlich. Saschas Geschichten und meine Geschichten werden beim Duo Stiehler/Lucaciu zu unserer gemeinsamen Geschichte«, erzählt Antonio Lucaciu. Verträumt, atmosphärisch. Phantasiewelten, in denen vom versunkenen vogtländischen Atlantis erzählt wird, in denen Raumschiffe und Roboter vorkommen. Und immer wieder findet sich der Bezug zum Theater: Das Video zu »Dau Dubba Dibbie Dubba Däy« wurde am Vogtlandtheater gedreht, ebenso wie »Das Märchen von der Wolke«. Das Duo wollte dabei nicht irgendeine Kulisse nehmen – sondern den Plauener Theatersaal, mit seinen Streichern, seinem Ambiente, seiner Geschichte.

Es jazzt, es groovt, es rappt: »Wir singen mit unseren Instrumenten«, verspricht die Homepage des Duos Stiehler/Lucaciu. Wie hätte es auch anders sein können – Antonio entwickelte früh eine Leidenschaft für Musik. Das Schlagzeug stand im Fokus seiner Aufmerksamkeit, doch fürs erste eine klassische Musikausbildung auf der Agenda. Als Initialzündung erwähnt er den Moment, als ihm eine Jazzplatte geschenkt wurde. Nun tourt das Duo Stiehler/Lucaciu durch die Lande, Städte wie Mannheim, Bochum, Kiel und Hannover stehen auf dem Plan. Eine gewisse Euphorie ist Lucaciu anzumerken, erzählt er von der Reise: »Die Tour ist total abwechslungsreich und schön. Das Duo ist nun zum Trio geworden, wir haben mit Gaga einen Schlagzeuger dabei. Die Musik geht nun noch mehr nach vorne, hat noch mehr Energie. Uns pusht das unglaublich.«

Es sei wunderschön auf Tour: »Doch wenn ich im Vogtland durch die Berge gehe, weiß ich trotzdem, es ist was anderes«. So weit weg ist die Heimat geografisch ja doch nicht, und einiges hat das Duo auf die große musikalische Reise auch mitgenommen. Ein Großteil der gesamten Tourbegleiter-Crew setzt sich aus ehemaligen Plauenern zusammen. Das Bühnenbild, der Verkaufsstand, die Tontechniker: Weggefährten von daheim. Gemeinsam mit der Band sind sie Teil des Gesamtkunstwerks und möchten ihrer Heimatstadt und der lokalen Kulturszene etwas zurückgeben. Irgendwie fühle man sich für die Heimat verantwortlich, bemerkt Antonio Lucaciu im Gespräch – und eine größere Veranstaltung ist in Planung, um die Stadt auf den Kopf zu stellen. Mehr werde nicht verraten.

Mit der einen oder anderen Spitze über den provinziellen Alltag in der Heimat sollte beim Konzert fest gerechnet werden – »Frau Holle«, ein Lied über Sascha Stiehlers Oma, ist voll von liebevoller Ironie. Wann sieht man die Kinder endlich mal im Fernsehen? Und warum machen sie immer noch keine Volksmusik? Auf der Bühne beweisen Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu, dass sie in Sachen Dialektkenntnisse sattelfest sind. Doch abseits allen Augenzwinkerns: Plauen habe tatsächlich einiges zu bieten. »Da gibt es unheimlich viel zu entdecken – es gibt mittlerweile einige kleine Veranstaltungsorte. Junge Leute, die ein soziokulturelles Umfeld schaffen. Das hat Anerkennung verdient: Jede Stadt kann eine Spielwiese sein, und das müssen wir uns nehmen.«

Die Bühne als jazzige Spielwiese, Popmusik als tanzbarer Spiegel tiefer persönlicher Geschichten. Ein Theater, in dem die Geschichte begann, und in das die Geschichten nun zurückkehren. »Es war immer mein Traum, einmal hier im Theater auf der Bühne zu stehen«, erinnert sich Antonio. Das hat das Duo Stiehler-Lucaciu nun geschafft, schon zum zweiten Mal. Und es wird klar: Sie sind nicht einfach Weltenbummler. Sie sind Weltenbummler, die sich ihrer Wurzeln bewusst sind.

TEXT: MANUEL IGL
FOTOS: SANDRA LUDEWIG