Brauereigasthof Erlbach: Zwickel, Coffee Stout und Himbeerbier

Knapp 900 private Brauereigasthöfe soll es im deutschsprachigen Raum noch geben. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was früher Jahrhunderte lang die gastronomische Landschaft prägte. Etwa 70 dieser Wirte gehören einer Kooperation an, die sich der Mission verschrieben hat, handwerklich gebrautes Bier als Kulturgut zu vermitteln. Und tatsächlich hat die kleine, engagierte Marketinggesellschaft ein Mitglied im sächsischen Vogtland: hinter Markneukirchen, in Erlbach.

Das Lokal ist unter Bierkennern der Region nicht unbekannt. Seine vier naturtrüben Sorten – Zwickel hell, Schwarze Seele, Hefeweizen und Bock – genießen einen guten Ruf, aber man kann sie nirgends kaufen, nur direkt im Brauhaus. »Na gut, eine Ausnahme gibt es seit Kurzem«, räumt Stefan Weiske ein. Der 29-jährige Brauer und Mälzer arbeitet zwar 90% seiner Zeit im Service der Gaststätte ab, aller zwei Wochen aber wird gebraut. Zum Tag des Bieres, am 23. April, öffentlich und zum Mitmachen. Und einer dieser neugierigen Mitmacher war Daniel Zeller aus Plauen, der dort seit 2014 die Neue Kaffeerösterei betreibt. »Und wenn ich mal nach Plauen runter fahre, stelle ich ihm ein paar Kästen mit rein«, erzählt Weiske weiter. Das kommt nicht von ungefähr, denn die beiden jungen Männer waren damals ins Gespräch – und ins Sinnieren gekommen. Ob man nicht mal ein Kaffeebier ansetzen könne? »Wir haben ein Jahr lang dran rumprobiert, bis wir es geschafft hatten.« Sie nennen es »Coffee Stout«, das genaue Rezept ist natürlich geheim, und sie produzieren nur 500 Liter, ein, zwei Mal im Jahr. Genug, um in der Plauener Rösterei ein kleinkulturelles Anstich-Event draus zu machen und erlebnishungrigen Kehlen etwas Extravaganz zu gönnen. Das nächste steht Ostern an.

Für den Chef der handwerklichen Schaubrauerei in Erlbach sind solche verwegenen Querschüsse nichts Falsches. Vielleicht fühlt sich Hans Geilert durch die verrückten Ideen seines Enkels ein bisschen an sich selbst erinnert. Der Geologiefacharbeiter aus Greiz hatte den einstigen Gasthof 1989 gekauft, um zunächst einen »Tante-Helga-Laden« aufzumachen. Die Brauereigasthof-Idee zündete erst ein knappes Jahrzehnt später eher zufällig in Bayern. Immerhin konnte sein Haus ja auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts reichte. Nur das Brauen, das musste er noch lernen. Und ein schalkhaftes Lächeln umspielt seine Lippen, als er vom Besuch des Anlagenbauers erzählt, der ein halbes Jahr nach Installation der Technik am Tisch saß. »Was machst denn du«, soll der Experte laut ausgerufen haben. »Dein Bier schmeckt ja saugut!« Bei Stefan, setzt der Senior hinzu, schmeckt’s jetzt genauso.

Von 1563 bis 1974 wurde in Erlbach ununterbrochen Bier gebraut, seit 1999 wieder. Stefan Weiske, der in seiner Jugend schon immer mit beim Austrebern half und das Handwerk nach der Schule von der Pike auf lernte, ist jetzt für das Brauen verantwortlich. Im Sommer, wenn der Biergarten voll ist, kommt die Produktion an ihre Kapazitätsgrenze. Im Winter ist etwas mehr Zeit für neue Idee. 2014 gab es ein Weizenmalzbier mit nur 3% Volumenalkohol. 2015 soll es ein Himbeerbier werden, ein schwarzes, nicht so süß. »Hab ich noch nie gemacht«, kommentiert er knapp. Könnte also was werden.

TEXT & FOTOS: MARKUS SCHNEIDER